Goldrausch in Roşia Montană

Dieser Artikel erschien am 11. Juli 2012 auf EurActiv.de

Gewaltige Goldvorkommen in Westrumänien lockten eine kanadische Firma an, die die Bodenschätze mit einem umstrittenen Zyanidverfahren abbauen, Arbeitsplätze schaffen und Milliardengewinne einfahren möchte. Gegner des Projekts klagen über korrupte Politiker und befürchten eine Umweltkatastrophe. 

300 Tonnen Gold und 1.500 Tonnen Silber mit einem Gesamtwert von 14 Milliarden Euro sollen in der Erde der rumänischen Gemeinde Roşia Montană liegen. Die Rechte für den Abbau liegen bei der Roşia Montană Gold Corporation (RMGC). RMGC vereinigt unter ihrem Dach die kanadische Gabriel Resources Ltd. und die staatliche rumänische Firma Minvest Deva. Gabriel Resources hält 80 Prozent der Anteile, Minvest Deva knapp 20 Prozent, und ein Bruchteil ist im Besitz anderer rumänischer Investoren.

Gegen das Milliardengeschäft regt sich Widerstand von Umweltschützern und Einwohnern. Vor allem die NGO Alburnus Maior wehrt sich gegen die bevorstehenden Umsiedlungen und die befürchteten Umweltschäden. Der Konzern verspricht großzügige Entschädigungszahlungen, neue Häuser, Arbeitsplätze und die Einhaltung von Umweltstandards. Die Bemühungen der RMGC um den Beginn der Abbauarbeit und die Kampagne „Rettet Roşia Montană“ der Aktivisten, dies zu verhindern, währen nun schon seit 2002.

Lange Bergbautradition
Der Bergbau hat in Roşia Montană eine lange Tradition, die bis ins 2. Jahrhundert reicht. Die rumänische Archäologin Natalia Toma von dem Verein ARA sieht durch den geplanten Abbau von RMGC das historische Erbe der Region bedroht. „Eine Vielzahl an römischen Artefakten wie Gräber, Friedhöfe, Tempelüberreste und andere Zeugnisse römischen Lebens sowie fünf Kirchen verschiedener Konfessionen sind von ihrer Vernichtung bedroht“, so Toma.

Investitionen in Umweltschutz
RMGC will 2.000 Einwohner umsiedeln und vier Bergkuppen sprengen, um einen großangelegten Tagebau zu realisieren. Neben dem Widerstand der Bewohner gegen die geplante Umsiedelung sieht sich RMGC auch mit massiven Vorwürfen von Umweltaktivisten konfrontiert. Das Unternehmen möchte die Umweltschäden gering halten und gleichzeitig in nachhaltigen Umweltschutz investieren. Das betroffene Gebiet soll nach Firmenangaben nach den auf 15 Jahre terminierten Abbauarbeiten aufgeforstet und begrünt werden.

„Roşia Montană ist ein sehr verschmutztes Gebiet. Das Wasser ist rot, aufgrund der Säure, die von den derzeit offenen Gruben stammen, als der Staat hier jahrelang mit veralteten und deregulierten Techniken abbaute“, sagt Catalin Hosu, Unternehmenssprecher von RMGC gegenüber EurActiv.de.

„Nach dem EU-Beitritt war der Staat gezwungen, alle Abbauaktivitäten in dem Gebiet zu beenden, da sie nicht in Einklang mit den EU-Vorgaben stattfanden. Dies führte zu einer Arbeitslosenquote, die auf 90 Prozent anstieg. Die Beschäftigungsmöglichkeiten von RMGC hat diese Zahl jetzt auf ungefähr 65 Prozent gedrückt“, so Hosu. 140 Millionen US-Dollar seien bereitgestellt, um das historische Stadtzentrum Roşia Montanăs zu sanieren und den Tourismus anzukurbeln.

Umstrittenes Zyanidverfahren
Der Abbau der Bodenschätze soll unter der kostengünstigen Verwendung von Zyanid erfolgen. Eine chemische Lösung löst das Gold dabei aus dem erzhaltigen Gestein heraus. Die anfallenden Abfallprodukte sollen laut Plänen von Gabriel Resources in einem Staubecken gelagert werden, das 250 Millionen Tonnen fasst.

Die rumänische EU-Abgeordnete Daciana Octavia Sârbu, Ehefrau des amtierenden Premierministers Victor Ponta, äußert sich EurActiv.de gegenüber kritisch zu der geplanten Abbaumethode. Ihrer Meinung nach sollte Bergbau unter Verwendung von Zyanid innerhalb der EU keine Option mehr sein. „Es gab schon mehrere katastrophale Unfälle mit Zyanid, die die Umwelt schwer geschädigt haben. Ich habe da vor allem den Baia Mare-Unfall 2000 vor Augen“, so Sârbu.

In dem nordrumänischen Abbaugebiet war 2000 der Damm der Betreiberfirma gebrochen. Mehrere Hunderttausend Tonnen zyanidhaltigen Giftschlamms gelangten über verschiedene Nebenflüsse in die Theiss und von dort in die Donau. Massives Fischsterben und Trinkwasserverschmutzung waren die Folge. Dem hält Gabriel Resources entgegen, dass der von ihnen geplante Damm wesentlich großzügiger konstruiert sei und auch einem Erdbeben bis zu einem Wert von 8 auf der Richterskala standhalten würde.

Umweltaktivistin Alina Banu von „Rettet Roşia Montană“ räumt ein, dass es eigentlich Aufgabe des Staates gewesen wäre, die Abfallprodukte des Bergbaus zu beseitigen. Trotzdem sieht sie die Versprechen der Minenfirma skeptisch und wünscht sich eine EU-Verordnung gegen den Zyanid-Einsatz. „Es handelt es sich hier immerhin um ein Biotop mit geschützten Tieren und Pflanzen.“ Verweis auf bestehende EU-Richtlinie

Schon im Mai 2010 sprach sich das EU-Parlament gegen den Einsatz von Zyanid im Bergbau aus. EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström hielt es damals aber nicht für notwendig, eine entsprechende Richtlinie zu verabschieden, sondern verwies auf die bestehende Richtlinie über Bergbauabfälle, die ein „Maximum an Schutz hinsichtlich Umweltschäden“ beinhalte. Die 2008 in Kraft getretene Richtlinie beinhaltet den schrittweisen Verzicht auf das toxische Zyanid bis 2018. Es sei Sache der nationalen Regierungen diese Richtlinie ordnungsgemäß umzusetzen, so Malmström.

„Mehr denn je braucht Rumänien ausländische Investitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Es liegt auf der Hand, dass das Projekt diese Bedürfnisse befriedigen kann, während zugleich alle Umwelt- und Sicherheitsstandards Rumäniens und der EU eingehalten werden“, sagt Hosu von RMGC.

Bestechung und Korruption?
Die Parlamentsabgeordnete Sârbu zweifelt am Nutzen des Projekts für Rumänien: „Auf Grundlage der öffentlich verfügbaren Informationen, würde der Staat nur sehr begrenzt von einem solchen Projekt profitieren.“ Umweltaktivistin Banu spricht hingegen offen von Korruption und Bestechung führender Politiker. Sie beklagt, dass viele Politiker nicht im Interesse der Gemeinschaft handeln würden. „Man steckt sich lieber 50.000 Euro in die eigene Tasche anstatt 5 Millionen Euro in die Staatskasse“, so Banu.

Hoffen auf UNESCO-Titel
Während NGOs wie Alburnus Maior mit Petitionen, Protestzügen und Klagen das Projekt stoppen wollen, bröckelt unter den Bewohnern von Roşia Montană der Widerstand. Mehr und mehr Dorfbewohner erwägen den Verkauf ihrer Häuser und den Umzug in die von dem Unternehmen errichtete Wohnsiedlung. Die Gegner des Projekts hoffen, durch eine Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe, das Abbauprojekt für immer zu stoppen. Ein entsprechender Antrag an die UNESCO müsste vom amtierenden Kulturminister eingereicht werden.

Der bis Mai 2012 amtierende Hunor Kelemen hielt den UNESCO-Antrag zurück, obwohl Roşia Montană alle formalen Kriterien erfüllen würde, so Banu. Sein Nachfolger Mircea Diaconu musste nach nur einem Monat im Amt seinen Hut nehmen. Der Vorwurf: Interessenkonflikt und Ämterpatronage. Die Hoffnungen liegen nun auf dem neuen Kulturminister Puiu Hasotti von den National-Liberalen. „Das Bündnis der Sozialdemokraten und der Nationalliberalen (USL) hat zwar damit geworben, etwas wegen Roşia Montană zu unternehmen, aber bisher ist nichts passiert“, sagt Banu. Sie macht sich auch keine Hoffnungen, dass es vor den Wahlen im Herbst 2012 weitere Entwicklungen geben wird.

Felix Weiß

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